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Goldkühe - Das BAT Agrar Trockensteherkonzept

Die Fachberatung Rind befasst sich täglich mit der Rationsgestaltung der frühen Trockensteher und Vorbereitungskühe. 2021 haben wir unsere Bemühungen verstärkt und mit der „Cool Girls”-Aktion der Haltung, Fütterung und dem Management der “Sommertrockensteher” zusätzliche Beachtung geschenkt. 

           

"Trockensteher sind die wichtigsten Kühe auf einem Milchviehbetrieb, wir nennen sie Goldkühe, dementsprechend sollten wir der Fütterung und Haltung entsprechende Aufmerksamkeit schenken."
Helmut Pförtner, BAT Agrar Produktmanagement Rind und Fachberatung

Der nächste Schritt auf diesem Weg ist die Verbreitung und Umsetzung des neuen BAT Trockensteherkonzepts. 
Warum rücken wir dieses Thema in den Fokus? Die fachliche Bedeutung der Trockensteherfütterung wird im weiteren Verlauf  ausführlich von den BAT Fachberatern erläutert. Ich möchte hier die übergeordneten Ziele auflisten, die wir mit diesem Konzept verfolgen:

  • jedem Betrieb eine individuelle Strategie für eine erfolgreiche Milchfieberprophylaxe bieten 
  • die Kühe der Milchviehbetriebe in BAT Beratung in die Lage versetzen einen guten Start in die Laktation zu leisten
  • beste Vorraussetzungen für einen gesunden Start in die Laktation

 Sicherlich lassen sich in der Milchviehfütterung während der Laktation die größeren Mengen an Milchvieh- und Mineralfutter an unsere Kunden verkaufen. Das hält uns nicht davon ab, speziell das Thema Fütterung in der Trockenstehzeit in den Fokus zu nehmen. 

Verkaufte Mengen sind für ein Unternehmen wie BAT Agrar wichtig, aber genauso wichtig ist es, unsere Kunden so zu unterstützen, dass sie eine leistungsfähige, effiziente Milchproduktion betreiben können. Das wollen wir mit den Goldkühen erreichen! 

 

   

Trockensteherfütterung im Überblick 

Der Grundstein für einen erfolgreichen Start in die Laktation 

Die Trockenstehzeit der Kuh ist der Grundstein für den erfolgreichen Start in die Laktation und deren erfolgreichen Verlauf. Deswegen ist es in der Fütterungsberatung äußerst wichtig, diesen Zeitraum optimal zu gestalten und die Milchkuh auf die Laktation bestmöglich vorzubereiten. 

Eine der häufigsten Gesundheitsstörungen der Hochleistungskuh zum Laktationsbeginn ist die Gebärparese, auch Milchfieber genannt. Eine Gebärparese wird mit einer akuten Störung des Calciumstoffwechsels definiert. Die Störung wird mit einer fehlenden Adaptation des Calciumhaushaltes an den zu Beginn der Laktation hohen Calciumbedarf beschrieben. Eine verringerte Calcium- und Magnesiumkonzentration im Blut beschreibt das Auftreten von Milchfieber. Durch die verringerten Konzentrationen im Blut werden Nerven und Muskelfunktionen beeinträchtigt. Es gibt zwei unterschiedliche Verläufe der Milchfiebererkrankung. Zum einen die schwerwiegenden, klinischen Fälle und zum anderen die subklinischen Fälle. Die klinischen Fälle machen sich bemerkbar durch akutes Festliegen der Kühe, die subklinischen Fälle bleiben oft unentdeckt, da lediglich unspezifische Symptome wie reduzierte Futteraufnahme und/ oder verringerte Aktivität der Tiere auftreten.

Einen weiteren großen Faktor stellen die Folgekrankheiten dar. Durch subklinisches oder klinisches Milchfieber wird der Organismus bzw. das Immunsystem stark beansprucht und geschwächt. Hieraus entstehen kostspielige Folgeerkrankungen, die den ökonomischen Erfolg eines Betriebes zusätzlich beeinflussen: 

Kosten gängiger Folgekrankheiten
 
Stoffwechselereignis Kosten/Vorfall
Milchfieber1 364 €
Subklinisches Milchfieber 2 112€
Labmagenverlagerung 3 362-496€
Ketose 3 71-82€
Nachgeburtsverhaltungen 3 130-190€
Metritis 3 157-166€

Geschätzte Kosten im Verhältnis zu den aktuellen Währungswerten

1 Cost per case from veterinary fees, drugs, labor, lost or discarded milk and culling (C. Guard, et al., 1996)

2 Non-infectious diseases: Milk fever in Encyclopedia of Dairy Sciences. Vol. 2. F. J. W. Fuquay, P.F., McSweeney, P.L.H., ed. Academic Press, San Diego Oetzel 2011. Lost milk yield and direct costs associated with ketosis and displaced abomasum’s

3 Liang, Di, “Estimating the Economic Losses from Diseases and Extended Days Open with a Farm-Level Stochastic Model” (2013). Theses and Dissertations--Animal and Food Sciences. Paper 22. http://uknowledge.uky. edu/animalsci_etds/22. First value is for first parity animals and second value is for mature cows.

Fälle von Milchfieber treten auf, wenn die Kühe beim Start in die Laktation nicht ausreichend Calcium aus der Futterration verwerten und/oder aus dem Skelett mobilisieren können. Kurz vor dem Kalben und dem Beginn der Laktation steigt der Bedarf an Calcium schnell an. Lediglich 8–11mg/dl Calcium zirkulieren im Blut. Davon sind ca. 50 % an Proteine gebunden, 42–48 % ionisiert und 3–7 % an Anionen gebunden. Nur die ionisierte Form, also gerade einmal ca. 11 g, stehen dem Tier für wichtige Funktionen zur Verfügung: 

  • Signalübertragung der Nerven
  • Muskelkontraktion
  • Immunabwehr
  • Blutgerinnung 

Zusätzlich muss noch Kolostrum bzw. Milch (ca. 30 g Calcium) gebildet werden. All die genannten Faktoren beschreiben, welch einen Kraftakt die Kuh bewältigen muss, um ausreichend Calcium zur richtigen Zeit bereitzustellen. 


Die Trockenstehphase ist für die Produktionsleistung, Tiergesundheit und Rentabilität einer Kuh entscheidend. Meistens entstehen die Gesundheitsstörungen zum Ende dieses Zeitfensters von sechs bis acht Wochen hin zur Kalbung. 

Folgeeffekte dieser Störungen in Bezug auf die Tiergesundheit sowie die Produktivität beeinflussen die neue Laktation deutlich. Eine hohe Erkrankungshäufigkeit entsteht durch Mängel im Energie- und Mineralstoffwechsel, Störungen der Pansenfermentation und durch ein geschwächtes Immunsystem.

Daraus leiten sich folgende Ziele der Transitperiode ab: 

  • Hohe Futteraufnahmen
  • Wenig Stoffwechselerkrankungen
  • Gute Fruchtbarkeit
  • Starke Immunität
  • Früher Zyklusbeginn
  • Hohe Einstiegsleistung mit anschließender Persistenz
  • Wenig Totgeburten
  • Wenig Schwankungen im BCS der Kühe

Entscheidend jedoch ist, dass die Häufigkeit der subklinischen Fälle von Milchfieber deutlich höher ist und den größeren ökonomischen Einfluss auf das Betriebsergebnis hat. Wissenschaftliche Arbeiten von der FU Berlin zeigen in deutschen Betrieben eine Inzidenz von ca. 36 % der Färsen sowie mehr als 60 % bei Kühen >2. Laktation auf. Die klinischen Fälle sind in der Behandlung sowie den Leistungsdepressionen als deutlich kostenintensiver einzustufen, jedoch liegt hier die Inzidenz nur bei <5 % der Tiere. 

Vorstellung unterschiedlicher Fütterungskonzepte 

Einphasige oder zweiphasige Trockensteherfütterung 

Die erste Strategiefrage stellt sich bei der Entscheidung einphasige oder zweiphasige Trockensteherfütterung. Für beide Konzepte gibt es hinreichende Bedarfsempfehlungen, wobei die Empfehlungen zu eher niedrigeren Energiekonzentrationen sowohl in der einphasigen Fütterung als auch in der Vorbereitungsfütterung (siehe Bauernzeitung Ausgabe 44, Engelhard, Iden) zunehmen. Eine wichtige Voraussetzung für das einphasige System ist die richtige Körperkondition der Herde. Ist der Anteil trocken zu stellender Kühe mit einem BCS von >3,5 zu groß (>25 %) besteht die Gefahr, dass bei einer sechswöchigen Trockenstehzeit und einer Energiekonzentration um die 6,0 MJ NEL die Kondition dieser „kräftigeren“ Tiere bis zur Kalbung zu stark ansteigt und die Gefahr von Ketosen nach der Kalbung steigt. Aus diesen Gründen gilt grundsätzlich für das einphasige System eine kurze Trockenstehzeit von maximal 6 Wochen als angebracht. Das „Parken“ von überkonditionierten Tieren in einer Fütterungsgruppe mit niedriger Energiekonzentration ist im einphasigen System nicht möglich. 

Die Vorteile bestehen in der einfachen praktischen Umsetzung durch nur eine Fütterungsgruppe, einer wegfallenden Futterumstellung in der Trockenstehzeit und einem moderateren Einstieg in hohe Milchleistungen. Dieses wird begleitet von einer niedrigeren Stoffwechselbelastung, mit der viele Betriebe besser umgehen können. 

In der zweiphasigen Trockensteherfütterung bewegt man sich durch aktuell diskutierte niedrigere Energiekonzentrationen und höhere Gehalte an Grobfutter NDF in der Vorbereiterration (Trockensteher II) ebenfalls in diese Richtung, nimmt einen milderen Einstieg in die Laktation gerne in Kauf und erreicht ebenso den Peak in der Milchleistung, aber mit gesünderen Kühen. Spezielle Rationen zur Milchfieberprophylaxe sind in der zweiten Phase der Trockensteherfütterung zielgerichteter anwendbar und sollten nicht in der kompletten Trockenstehzeit gefüttert werden, ein Plädoyer für das zweiphasige System. Werden die frühen Trockensteher (Trockensteher I) zusammen mit den großen Jungrindern gefüttert, entkräftet sich auf einigen Betrieben der Vorteil für das einphasige System hinsichtlich der einfacheren Anwendbarkeit. Auf einzelnen erfolgreichen Betrieben sehen wir die Trennung von Färsen und Mehrkalbskühen bis in die späte erste Laktation, um sozialen Stress zu vermeiden. Eine andere interessante Variante, die ausschließlich die Trockenstehzeit betrifft, ist das Einrichten von Gruppen an Färsen und Kühen, die in einem bestimmten Zeitraum, z.B. innerhalb einer Woche, voraussichtlich abkalben werden. Die Gruppen bleiben bis zur Abkalbung bestehen und lösen sich dann nach und nach auf. Dieses verringert den Stress durch Neugruppierungen und erhöht nach Berichten dänischer und amerikanischer Fütterungsberater die TMAufnahme vor der Kalbung. 

Stress jeglicher Art, ob sozialer Stress, Hitzestress, Stress durch das Betreuungspersonal oder „Fütterungsstress“ durch mangelnde Futterhygiene oder unzureichende Futtervorlage, ist in der Trockenstehzeit absolut zu vermeiden. 

Es gibt drei Ansätze um die Herausforderungen in der Trockensteherfütterung zu bewältigen:

1. Calciumarme Fütterung 

2. Einsatz von Calciumbindern 

3. DCAB abgesenkte Fütterungskonzepte 

Goldkühe - Das BAT Trockensteherkonzept

Was kann ein angepasstes Fütterungskozept bewirken?

  • Gesunder Übergang zwischen den Laktationen
  • Weniger Fälle von klinischem und subklinischem Milchfieber
  • Weniger Arbeitsaufwand durch ausbleibende Folgeerkrankungen
  • Gesunder Start der Transitkühe in die Laktation

Wenn Sie mehr über die individuelle Umsetzung von unserem BAT Trockensteherkonzept auf Ihrem Betrieb wissen möchten, dann kontaktieren Sie Ihren BAT-Fachberater!

Leitung Fachberatung Rind

Julian Sander

Mobil: +49 152 310 36 372
Mail: Julian.sander@bat-agrar.de