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Sommer im Stall – Hitzestress bei Schweinen erkennen und gezielt gegensteuern

Mit den in den letzten Jahren ansteigenden Temperaturen und Hitzewellen in den Sommermonaten steigen auch die Probleme in der Schweinehaltung und insbesondere in der Sauenhaltung.
Da Schweine bekanntlich kaum schwitzen können, ist es für Sauen nicht möglich bei hohen Stalltemperaturen die produzierte Körperwärme abzugeben. Auch die Jahrzehnte lange Züchtung der Schweine auf höhere Magerfleischanteile und Leistung hat zur Folge, dass die Tiere immer sensibler auf hohe Stalltemperaturen bzw. Hitzestress reagieren.
Um den Hitzestress dennoch zu begegnen, vermindern die Sauen die Futteraufnahme zur Minimierung der metabolisch bedingten Hitzeproduktion des Körpers. Gleichzeitig versuchen die Tiere bei Hitzestress durch eine deutlich erhöhte Wasseraufnahme entsprechende Kühlung zu erfahren.

Gerade moderne Hochleistungstiere reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen. Über viele Jahre hinweg wurde in der Schweinezucht stark auf Leistung, Wachstum und Fruchtbarkeit selektiert. Diese Eigenschaften bringen zwar hohe Produktionsleistungen mit sich, erhöhen jedoch auch die Sensibilität gegenüber Umweltstress – insbesondere gegenüber Hitze.

Typische Folgen von Hitzestress:

✔ reduzierte Futteraufnahme

✔ erhöhte Körpergewichtsverluste in der Laktation

✔ verminderte Milchleistung

✔ verminderte Absetzgewichte

✔ erhöhte Embryosterblichkeit und Ferkelverluste

✔ verminderte Fruchtbarkeit

Wie kann ich erste Anzeichen von Hitzestress beim Schwein erkennen?

Hitzestress macht sich oft zunächst durch Veränderungen im Verhalten bemerkbar. Schweine liegen vermehrt ausgestreckt auf kühlen Bodenflächen, suchen Abstand zu ihren Artgenossen und zeigen eine erhöhte Atemfrequenz. Auch das sogenannte „Hecheln“ tritt verstärkt auf.

Parallel dazu verändern sich wichtige Leistungsparameter:

  • Die Futteraufnahme sinkt deutlich, da Verdauungsprozesse zusätzliche Wärme produzieren.
  • Die Wasseraufnahme steigt.
  • Tiere zeigen häufiger Unruhe oder reduzierte Aktivität.

Bereits ab Stalltemperaturen von etwa 25 °C lässt sich ein Rückgang der Futteraufnahme beobachten. Pro zusätzlichem Grad Celsius kann diese um rund 150–170 g pro Tier und Tag abnehmen. Für den Betrieb bedeutet dies nicht nur geringere Tageszunahmen, sondern auch längere Mastzeiten und steigende Kosten. Wir erstellen immer energie- und nährstoffdichtere Futter um unsere leistungsstarken Tiere optimal auszufüttern und dem Wachstumspotential gerecht zu werden; jedoch kann schon eine unzureichende Thermoregulation im Stall die Möglichkeit, genug von dem hochwertigen Futter aufzunehmen, einschränken. 

Wie wirkt sich Hitze auf Fruchtbarkeit der Sau und die Aufzucht der Ferkel aus?

Besonders kritisch ist Hitze für Zuchtsauen. Sinkt die Futteraufnahme während der Laktation, wirkt sich dies direkt auf die Milchleistung aus. Gleichzeitig kann sich auch die Zusammensetzung des Kolostrums verändern. Eine geringere Menge an Immunglobulinen bedeutet für neugeborene Ferkel einen schlechteren Start ins Leben.

Die Folgen können sein:

  • geringere tägliche Zunahmen bei Ferkeln
  • höhere Krankheitsanfälligkeit
  • ungleichmäßige Würfe

Ein weiteres bekanntes Phänomen ist das sogenannte „Sommerloch“ in der Fruchtbarkeit. Die eigentlichen Auswirkungen werden dabei häufig erst Monate später sichtbar – etwa durch höhere Umrauscherquoten oder kleinere Würfe in den Wintermonaten.

Wie belastet Hitze den Stoffwechsel von Schweinen?

Hohe Temperaturen führen im Körper der Tiere zu verschiedenen physiologischen Anpassungen. Die Blutgefäße erweitern sich, um Wärme über Haut und Extremitäten abzugeben. Dadurch wird der Verdauungstrakt teilweise schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

In der Folge kann die Darmbarriere geschwächt werden. Abgestorbene Darmzellen erhöhen die Durchlässigkeit der Darmwand, wodurch Endotoxine leichter in den Blutkreislauf gelangen können. Dies belastet das Immunsystem zusätzlich und kann langfristig die Tiergesundheit beeinträchtigen.

Mit welchen Maßnahmen kann Hitzestress entgegen gewirkt werden?

 Um Hitzestress im Schweinestall zu reduzieren, gibt es verschiedene Stellschrauben im Management.

  • Wasserversorgung optimieren

    Wasser spielt bei hohen Temperaturen eine entscheidende Rolle. Schweine verbringen täglich etwa eine halbe Stunde mit der Wasseraufnahme, meist direkt nach der Fütterung. Besonders laktierende Sauen haben einen sehr hohen Bedarf und können an heißen Tagen bis zu 35–40 Liter Wasser pro Tag aufnehmen. 
    Saubere Tränken, ausreichende Durchflussmengen und regelmäßige Kontrolle der Wasserversorgung sind daher essenziell.
  • Elektrolythaushalt stabil halten

    Mit steigender Wasseraufnahme verändert sich auch der Mineralstoffhaushalt. Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Chlorid sind für zahlreiche Stoffwechselprozesse notwendig. Ein Ungleichgewicht kann die Enzymaktivität beeinträchtigen und sich negativ auf Kreislauf und Leistungsfähigkeit auswirken. Eine gezielte Ergänzung über das Futter kann hier sinnvoll sein.
  • Fütterungszeiten anpassen

    Schweine fressen bevorzugt in kühleren Tagesphasen. Deshalb empfiehlt es sich, größere Futtergaben in die frühen Morgenstunden oder den späten Abend zu legen. Mehrere kleinere Mahlzeiten können zusätzlich helfen, die tägliche Futteraufnahme stabil zu halten.
  • Stallklima verbessern

    Neben der Fütterung spielt auch das Stallklima eine entscheidende Rolle. Moderne Lüftungssysteme sorgen für einen kontinuierlichen Luftaustausch und helfen dabei, Wärme aus dem Stall zu transportieren. In besonders heißen Perioden können zusätzliche Maßnahmen wie Verdunstungskühlung oder Wasservernebler eingesetzt werden. Wichtig ist dabei eine sorgfältige Steuerung der Lüftung, da Schweine sehr sensibel auf plötzliche Temperaturschwankungen reagieren.

Wie kann der Stoffwechsel von Schweinen bei Hitzestress unterstützt werden?

In Phasen starker Belastung kann auch eine gezielte Unterstützung des Stoffwechsels sinnvoll sein. Die Leber spielt als zentrales Stoffwechselorgan eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Nährstoffen und der Entgiftung des Körpers. Antioxidative Substanzen, beispielsweise Vitamin C, können helfen, oxidativen Stress zu reduzieren und den Organismus in Stresssituationen zu stabilisieren. Ergänzend können Elektrolyte und pflanzliche Inhaltsstoffe die Atmung und den Mineralstoffhaushalt unterstützen.

Fazit zu Hitzstress beim Schwein

✔ Hitzestress ist ein zunehmend bedeutender Faktor in der Schweinehaltung

✔ Tiergesundheit und wirtschaftliche Ergebnisse können erheblich beeinflusst werden

✔ Im Sommer: genaue Prüfung von Stallmanagement, Fütterung und Wasserversorgung

✔ Stoffwechsel mit angepasster Fütterung und guter Klimaführung entlasten

✔ So können Schweine auch bei hohen Temperaturen leistungsfähig und gesund bleiben!

 

Haben Sie Fragen? Dann kontaktieren Sie unsere Fachberatung.

 

Susanne Gellert
Produktmanagement Schwein

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